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Articular Cartilage Injury
Gelenkknorpel-Verletzungen
Beschreibung
Im Kniegelenk treffen drei Knochen aufeinander: Femur
(Oberschenkelknochen), Tibia (Schienbein) und Patella (Kniescheibe). Wie in
vielen anderen Gelenken sind die Knochen im Knie von Gelenkknorpel bzw.
hyalinem Knorpel überzogen. Zusätzlich zum Gelenkknorpel gibt es noch andere
Arten von Knorpel im Knie: den Meniskusknorpel (in den Menisken, die als
Stoßdämpfer am Schienbeinkopf fungieren) und den Faser- bzw.
Bindegewebsknorpel. Der Gelenkknorpel hat aber spezifische chemische und
physikalische Eigenschaften, aufgrund derer er sich als Gelenkoberfläche gut
eignet. Wenn alles richtig funktioniert dann bewirken der Gelenkknorpel, der
die Knochen umgibt, und die Gelenkflüssigkeit, als Schmiermittel, weniger
Reibung im Gelenk als Wasser auf Eis. Der Gelenkknorpel, der die Knochen als
dünne Schutzschicht überzieht, bewirkt, dass die Knochen bei Bewegung des
Gelenks reibungslos aneinander vorbeigleiten.
Der Gelenkknorpel ist relativ verschleißbeständig,
trotzdem können Zeit und Abnützung ihren Tribut verlangen. Wenn es zur
Zerstörung von Knorpel kommt, bezeichnet man den Zustand als degenerative Arthritis oder
Arthrose. Bei extremer Abnützung können die Knochen sogar aufeinander reiben,
was zu Schmerzen und Steifheit führt. Da der hyaline Knorpel extrem schlecht
heilt, bleibt eine Arthrose selten der „Selbstheilung“ überlassen. Die
Forschung untersucht weiterhin Möglichkeiten zum Schutz des Knorpels vor
Abnützung und zur Unterstützung der Heilung bei Verletzungen. Zur Zeit wird der
Heilungsprozess allerdings meist durch ein „Mikrofraktur“-Verfahren stimuliert, bei dem im darunterliegenden Knochen kleine Fissuren gesetzt
werden. Leider führt dies zur Bildung von Faserknorpel (Bindegewebsknorpel),
der nicht so glatt wie hyaliner Knorpel ist.
Kniegelenkserkrankungen beruhen häufig auf
Gelenkknorpelschäden. Diese werden einer oder mehreren der folgenden Kategorien
zugeordnet:
- Knorpelfraktur
Bei Verletzung der Gelenkoberfläche ohne Bruch des darunterliegenden
Knochens kommt es zu einer Knorpelfraktur. Dies tritt am häufigsten dann
auf, wenn die Knochen unter beträchtlicher Krafteinwirkung gegeneinander
gleiten müssen. So, kann es zum Beispiel dazu kommen, wenn das Schienbein
und der Oberschenkelknochen aufeinander treffen, was durch Einwirkung
einer Drehkraft bei Riss des vorderen
Kreuzbands verursacht wird. Eine Knorpelfraktur kann auch als
Folge eines Aufeinandertreffens der Kniescheibe und des
Oberschenkelknochens auftreten und durch eine Subluxation oder Dislokation
verursacht werden. Gewöhnlich wird diese Art von Verletzung nicht durch
direkte Einwirkung verursacht.
- Chondrose (Chondromalazie)
Die Erweichung (Malazie) des Gelenkknorpels (des kartilaginären
Knorpels) wird Chondromalazie genannt. Bis zur Entwicklung eines
moderneren Verständnisses des Knies wurde der Ausdruck „Chondromalazie“
für alle Arten von Knieschmerzen verwendet. Obwohl die Anwendung dieses
Ausdrucks in solchen Fällen falsch ist, werden ihn Patienten noch immer
hören. Der allgemeinere Begriff ist „Chondrose“ bzw. Erkrankung des
Knorpelgewebes. Wissenschafter und Chirurgen teilen die Chondrose in vier
Kategorien ein; diese beinhalten: Grad I –Erweichung und Schwellung, Grad
II – Zotten und Fasern, Grad III – Rissbildung und Grad IV – Erosion bis
auf den subchondralen Knochen, wobei jegliches Knorpelgewebe fehlt. Jeder
chemische oder mechanische Prozess, der eine Knorpelverletzung zur Folge
hat, kann zu einer Chondrose führen.
- Osteochondrale Fraktur
Ein starker Schlag gegen das Knie kann dazu führen, dass ein Stück des
Gelenkknorpels abgesprengt wird und dabei ein Stück des darunterliegenden
Knochen mitreißt. Dies wird als osteochondrale Fraktur bezeichnet, wobei
eine „Gelenkmaus“ bzw. ein freier Gelenkkörper entsteht, d.h. ein
innerhalb des Gelenks frei bewegliches Knorpel- oder Knochenstück. Ein
freier Gelenkkörper kann im Knie gegen das Gewebe reiben und verursacht
auf diese Weise Schmerzen und Blockierung. Oft kann ein Chirurg den
Gelenkkörper wieder in seine ursprüngliche Lage bringen und dort fixieren.
Osteochondrale Frakturen können die Gelenkoberfläche verändern und somit
auch die Belastung auf die übrigen Gewebe erhöhen.
-
Degenerative Gelenkserkrankung (Osteoarthritis)
Früher nahmen die Ärzte an, dass eine Osteoarthritis nur bei älteren Patienten auftritt. Nach heutigem Verständnis wird diese als multifaktorieller Prozess interpretiert, der vom Alter und Gewicht des Patienten sowie von der Gelenkausrichtung beeinflusst wird. Man kann das Knie mit dem Reifen eines Autos vergleichen. Wenn die Spur verzogen ist, oder bei Überbeladung, nützen sich die Reifen schnell ab. Manchmal haben Reifen auch Herstellungsfehler, durch die ein Versagen geradezu vorprogrammiert sein kann. Ausrichtungsanomalitäten können oft operativ korrigiert werden, um den Degenerationsprozess zu verlangsamen. Eine fortgeschrittene Knochendegeneration verursacht eine Bloßlegung des Knochens und führt zu Schmerzen und Dysfunktion des Knies.
Symptome
Der Körper besitzt ein gut funktionierendes Warnsystem,
das Nervensystem, das den Patienten darauf aufmerksam macht, wenn etwas nicht
stimmt. Der Gelenkknorpel hat aber keine Schmerzfasern und daher kommen die
Schmerzsignale von anderen Geweben, die durch die Knorpelverletzung gereizt
werden. Aus diesem Grund können Knorpelverletzungen auftreten ohne dass der
Patient Schmerzen verspürt. Des weiteren sind geringe Schmerzen oft die
einzigen Warnzeichen für eine Gelenkknorpelverletzung. Knieschmerzen können
aufgrund einer Stimulierung der Schmerzfasern im Knochen unter dem
Gelenkknorpel, einer Reizung der gelenkflüssigkeitsproduzierenden Membran im
Gelenk (Synovium) oder anderer sekundärer Ursachen auftreten.
- Eine nicht-spezifische Schwellung kann ein Problem signalisieren, das durch Flüssigkeitsstau verursacht wird.
- Ein „knackendes“ oder „knirschendes“ Geräusch, wenn das Gelenk bewegt wird.
- Das Gefühl einer Blockierung oder des Einklemmens (ausgelöst vom freien Gelenkkörper im Gelenk).
Da die Symptome nur geringfügig oder unklar sein können,
konsultieren Sie bitte einen Arzt, wenn Sie glauben, eine
Gelenkknorpelverletzung zu haben.
Ursache und Risikofaktoren
Ursachen
Professionelle Sportler, wie z.B. Fußball-, Basketball-, oder Hockeyspieler
sind einem größeren Risiko für die Entwicklung von Gelenkknorpelverletzungen
ausgesetzt, weil die Bewegungen, die sie ausführen, eine große Belastung für
das Knie darstellen. Man braucht für ein erhöhtes Risiko aber kein Profi-Sportler
zu sein. Jeder Faktor, der die Belastung des Gelenkknorpels erhöht, ist ein
Risikofaktor. Die absolute Belastung, wie das Körpergewicht, ist nachweislich
eine Ursache für die Abnützung des Gelenkknorpels. Zu einer Zunahme der
relativen Belastung kommt es bei abnormaler Ausrichtung (z.B. durch stark
gekrümmte Knie) oder aufgrund einer Veränderung der Kontaktfläche der Knochen,
wenn z.B. Meniskusknorpel durch Verschleiß verloren geht. In Zukunft wird man
auch gewisse biologische und genetische Risikofaktoren nachweisen können.
Behandlung
Unmittelbar nach der Verletzung
Nach einer traumatischen Verletzung, oder wenn Sie eine Schwellung bemerken,
legen Sie sofort Eis auf. PECH (Pause, Eis, Compression und Hochlagerung) ist
die beste Methode zur Behandlung von kleineren Verletzungen während der ersten
Tage. Wie aus den oben gemachten Ausführungen erkennbar, ist es für die meisten
Patienten schwierig, ein ernsthaftes Problem von einer geringfügigen Verletzung
zu unterscheiden und daher ist die frühe Beurteilung durch einen
Kniespezialisten unabdingbar. Falls erforderlich, nehmen Sie frei verkäufliche
Schmerzmittel (N-SAIDS: nicht-steroidale entzündungshemmende Arzneimittel wie
Ibuprofen oder Acetaminophen) ein, um die Schwellung und die Schmerzen zu lindern.
Beachten Sie die Packungsvorschriften bei der Einnahme im
Fall von Schmerzen, Schwellung oder Bewegungseinschränkung.
Verfahren:
Die Möglichkeiten zur Darstellung der Gelenkknorpelverletzungen mittels MRI
werden von Jahr zu Jahr besser. Zur Zeit sind aber nur große medizinische
Zentren in der Lage, einzig und allein aufgrund eines MRI routinemäßig eine
fundierte Diagnose einer Gelenkknorpelverletzung zu stellen. Auch Röntgenbilder
erleichtern Ihrem Arzt den indirekten Verdacht auf eine Gelenkknorpelverletzung.
Bei degenerativer Arthritis oder Chondrose kann Ihr Arzt
wenig belastende Übungen wie Schwimmen empfehlen, um die Kniemuskulatur zu
kräftigen. Ein Physiotherapeut kann Ihnen geeignete Übungen zur Bewegung und
Kräftigung dieser Muskeln zeigen, ohne dass das Gelenk überbelastet und das
Problem noch verschlimmert wird. Vor jedem Übungsprogramm sollten Sie unbedingt
Ihren Arzt aufsuchen.
Nachdem durch Chondrose abgeschilferte Knorpelstücke das
Knie möglicherweise reizen, können die Knorpeltrümmer durch ein arthroskopisches Verfahren
ausgewaschen und Bereiche mit geschädigtem Knorpel, der jederzeit absplittern
kann, geglättet werden. Dieses Verfahren wird Chondroplastik genannt und stellt
eine kurzfristige symptomatische Behandlung dar, die ein Arzt während der
frühen Stadien einer Chondrose anwenden kann.
Ein Arzt kann ggf. auch ein osteochondrales oder
chondrales Bruchstück, d.h. abgesplitterte Knochen- oder Knorpelstücke, mithilfe
von Drähten, Schrauben oder Stiften wieder befestigen.
Bei größeren Gelenkknorpeldefekten stehen Ihrem Arzt
viele Optionen zur Wiederherstellung des Knorpels zur Verfügung. Diese
beinhalten die Knochenmarksstimulation, die Mosaikplastik oder OATS, wobei der Defekt mit kleinen Knochenzylindern mit anhaftendem Gelenkknorpel
aufgefüllt wird. Darüber hinaus kann ein Arzt dem Patienten eine autologe Chondrozytenimplantation(ACI bzw.Carticel) empfehlen; dabei werden die
Knorpelzellen des Patienten entnommen, im Labor vermehrt und anschließend in
den beschädigten Kniebereich re-implantiert. Patienten können auch
Knorpelgewebe von einem Leichenspender erhalten.
Vorbeugung
Zunehmende Muskelkraft in den Beinen gleicht die
Belastung auf das Knie aus und kann das Degenerationsrisiko vermindern. Nach
Faktoren, die den Knorpel schützen, wird weiterhin geforscht.
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