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Dr. Hans Pässler: Einer der führenden europäischen Sportmediziner

Oktober 15, 2002


Dr. Pässler ist einer der renommiertesten orthopädischen Chirurgen Deutschlands. Zu seinen aktuellen Aufgabenbereichen gehört u. a. die Leitung des Zentrums für Knie- und Fußchirurgie und Sporttraumatologie an der >ATOS-Klinik in Heidelberg. Diese Position hält er seit 1993 inne. 1997 wurde er zum Ärztlichen Direktor ernannt. Dr. Paessler war als Präsident der European Federation of National Associations of Orthopaedic Sports Traumatology (EFOST) und Vizepräsident des Collège Européenne de Traumatologie du Sport (CETS) tätig. >Er unterrichtete außerdem als Gastprofessor an der University of Pittsburgh unter der Leitung von Dr. Freddie Fu, an der University of Ioannina und am Chinese General Hospital, PLA in Beijing. Dr. Paessler ist derzeitiger Chefredakteur der Zeitschrift European Journal of Sports Traumatology and Related Research.

Knee1: Wie kamen Sie zur Sportmedizin?
Dr. Pässler:Als ich 1970 von einem einjährigen Studienaufenthalt in der Kardiochirurgie unter Dr. Michael DeBakey am Baylor College of Medicine in Houston, Texas zurück kam, verbrachte ich meine Zeit als Assistenzarzt in der Allgemeinen Chirurgie und Traumachirurgie bei Prof. Burri von der AO-Gruppe in der Schweiz. Dort wurde ich (von Dr. Burri) gebeten, die Möglichkeiten der funktionellen Behandlung bei Kniebandoperationen zu recherchieren. Ich begann sofort mit einer umfangreichen Studie an Leichenknien, die zur Entwicklung eines Scharniergipsverband führte, aus dem später unser derzeitiges Kniestützsystem wurde.

Knee1: Wo liegt der Schwerpunkt bei Ihrer derzeitigen klinischen Forschung?
Dr. Paessler:In der Bohrkanalerweiterung bei der VKB-Rekonstruktion, neuen Fixationstechniken, neuen Techniken zur HKB-Rekonstruktion sowie in der Untersuchung von Zytokin-Spiegeln 5 Jahre nach VKB-Rekonstruktion und der Wirkungsweise der nicht beschleunigten Rehabilitation im Vergleich zur beschleunigten Rehabilitation auf das Endresultat nach VKB-Rekonstruktion. Ich arbeitete (auch) mit der Firma Smith & Nephew Endoscopy an (ihrem) neuen Fixationskonzept zur tibialen Fixation von VKB Transplantaten, dem FasT-Fix. Wir (führen derzeit) eine klinische Studie zur Anwendung (dieses) neuen Meniskus-Refixationssystems durch.

Knee1: Was ist eine Bohrkanalerweiterung und was bedeutet dies für die Rekonvaleszenz des Patienten?
Dr. Paessler: Die Bohrkanalerweiterung ist eine unerwünschte Nebenwirkung der VKB-Rekonstruktion und tritt hauptsächlich dann auf, wenn Semitendinosussehnen für die Rekonstruktion verwendet werden. Aus vielen klinischen Studien ist bekannt, dass dies (wahrscheinlich) keine Auswirkungen auf die Stabilität und das klinische Endergebnis hat, es könnte aber zu einem Problem werden, sollte eine Revision nach Versagen des Transplantats erforderlich werden. (Bei einem solchen Verfahren) müssen zuerst große Bohrkanäle mit Knochentransplantaten gefüllt werden, bevor eine Rekonstruktion durchgeführt werden kann. (Das) bedeutet 2 Operationen und eine lange (Rekonvaleszenz-)Zeit. Es ist daher wichtig, Wege zu finden (perfekte Positionierung der Transplantat-Bohrkanäle, entsprechende Fixation und Rehabilitation), um eine Bohrkanalerweiterung von vornherein zu vermeiden.

Knee1: Welche Behandlung und Vorbeugung schlagen Sie bei VKB-Verletzungen vor?
Dr. Paessler: Vorbeugung ist möglich, wie manche Studien deutlich zeigen. Zu diesen Möglichkeiten zählen Aufwärmen und Propriozeptiv-Training. Wenn ein Sportler auf Grund eines VKB-Risses ein instabiles Knie hat, empfehle ich eine frühzeitige Rekonstruktion, weil wir wissen, dass das Endergebnis dann am besten ist. Für eine gute zukünftige Kniefunktion ist eine präzise Bohrkanalplatzierung bei der Operation am wichtigsten. Die Wahl des Transplantats ist dabei sekundär. Wir empfehlen, die Position des K-Drahtes zum Bohren des Kanals in allen Fällen unter Fluoroskopie zu überprüfen, wobei sich die Spitze in der Fossa intercondylaris befindet, um immer eine äußerst korrekte Kanalposition zu gewährleisten. Dadurch erzielen wir in praktisch 100% unserer Fälle eine korrekte Kanalplatzierung.

Knee1: Die Medizinbranche in den USA wird manchmal dafür kritisiert, dass es so lange dauert, bis medizinische Verfahren, Geräte und Arzneimittel genehmigt werden, obwohl diese in anderen Ländern bereits positive Ergebnisse gezeigt haben.Was sind Ihrer Meinung nach die Haupthürden (falls es welche gibt) bei der Einführung der neuesten Technologien aus den USA in Europa und umgekehrt?
Dr. Paessler: Die europäischen Verwaltungsbehörden sind etwas schneller als die amerikanischen. Deshalb bekommen wir manchmal neue Produkte bevor diese in den USA genehmigt sind. Zum Beispiel das Kollagen-Meniskus-Implantat (CMI), Fibrinkleber und PDS-Nahtmaterial wie z.B. der PDS-Faden.

Knee1: Inwiefern betrachten Sie die einfachere Medizinverwaltung in Europa als Hilfe für Ihre Arbeit bei der Entwicklung neuer Techniken und Hilfsmittel zur Behandlung Ihrer Patienten?
Dr. Paessler: Die Verwaltung sollte nicht zu kompliziert gehandhabt werden und realistische und praktische Ziele haben. In manchen Ländern, wie in Japan und den USA, sind die gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich der Zulassung neu entwickelter Präparate oder Techniken äußerst kompliziert und erfordern teure und langfristige experimentelle und klinische Forschung. Dies ist in den meisten europäischen Ländern vielleicht etwas unkomplizierter geregelt.

Knee1: Was war Ihrer Meinung nach Ihr wichtigster Beitrag in der Sportmedizin und der Behandlung von Knieverletzungen?
Dr. Paessler: Die Entwicklung von funktionellen Rehabilitationstechniken nach Kreuzbandoperation ohne Immobilisation. [Die ursprüngliche Studie - Funktionelle Behandlung nach Bandnaht und -plastik am Kniegelenk – wurde erstmals 1972 in Deutschland veröffentlicht. Die englische Version - Functional postoperative care after reconstruction of knee ligaments - wurde zwei Jahre später veröffentlicht.] Des weiteren auch die Entwicklung der perkutanen Reparaturtechnik bei Achillessehnenrupturen mit unmittelbarer funktioneller postoperativer Behandlung und frühzeitiger voller Belastbarkeit (nach 1 Woche). (Erstmals 1988 präsentiert.)

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